Neue Wege

In der Nähe gibt es einen unfassbar schönen Park, mit Tieren, Legewiesen, unfassbar vielen Spielplätzen und die Gärtner*innen sind beim Anlegen der Beete wirklich begabt und kreativ. Wir sind da tatsächlich relativ häufig und bis zu unserem letzten Besuch dachte ich, wir hätten alles Wichtige gesehen.  Wir wollten auf einen bestimmten Spielplatz und meine Große und ich diskutierten, welcher Weg denn nun der richtige wäre. Da sie meistens den besseren Orientierungssinn hat, als ich (und das mit 9), habe ich beschlossen ihrer Entscheidung einfach zu vertrauen. Was sich vorerst als Fehler herausstellte, weil wir definitiv in die falsche Richtung losgelaufen waren. Ich meckerte leise, oder auch mal weniger leise vor mich hin, weil das Baby unleidig wurde und mir nach dem Blick in den Parkplan klar wurde: Wir werden ewig unterwegs sein, um zum Spielplatz zu kommen. Egal, es half nix, wir waren ja nun schon auf dem Weg und umdrehen wäre ähnlich doof gewesen. Also Augen zu und durch, mit so guter Laune wie nur irgend möglich. Und dann hielt ich auf einmal inne… wir waren an den japanisch angelegten Gärten angelangt und die ersten Pfingstrosen blühten! Die erste die wir sahen, war größer als die Hand eines Erwachsenen!
 
Nun muss ich kurz in der Vergangenheit schwelgen: Ich habe im Frühjahr Geburtstag, so um die Zeit in der die Pfingstrosen blühen. Seit ich denken kann, sind es meine absoluten Lieblingsblumen und meine Oma schnitt mir jedes Jahr einen Strauß aus unserem Garten und stellte ihn mir morgens auf den Geburtstagstisch. Intensiv pinkfarbene und zartrosafarbene Pfingstrosen standen zu jedem Geburtstag auf dem Tisch. Eine Tradition, die uns verband und davon gab es nicht viel. 
 
Ich war also sowieso schon im Glück, beim Anblick dieser einen Pfingstrose mit ihrer riesigen weißen Blüte. Und was roch sie so gut. Wir erkundeten den Wasserfall und liefen weiter. Und direkt kam mir der intensive Duft weiterer Pfingstrosen in die Nase. Ein riesiges Beet davon, in jeder Farbe und in den schönsten Düften. Ich bin meiner Großen fürchterlich auf die Nerven gegangen, denn ich habe an jeder einzelnen davon gerochen. Kindheitserinnerungen wurden wach und ich kann keinem sagen, wie sehr ich mich darüber gefreut habe, diese wundervollen Blumen Mitte April in ihrer vollen Blüte zu entdecken. 
Und wie dankbar war und bin ich meinem Mädchen, dass sie den vermeintlich falschen Weg eingeschlagen hat. Manchmal muss man neue Wege gehen, um sein Glück zu finden. 

Und das passt gerade so sehr auf mein Leben. Ich versuche mich gerade darin, ein völlig neues Leben aufzubauen und bin an vielen Stellen nicht besonders mutig darin, etwas Neues anzufangen. Die Angst es zu vermasseln ist riesig. Diesen Blog zu erstellen, habe ich schon so lange im Kopf. Habe große Lust zu schreiben. Über mich, mein chaotisches Leben, die gewaltfreie Begleitung meiner Töchter, die kleinen Alltagshacks und die vielen schönen Dinge die passieren. Nie habe ich es in die Tat umgesetzt und immer wieder verschoben, um es bei der nächsten Sinnkrise wieder machen zu wollen. Die Sinnkrise wird nun nur immer weniger Krise und mehr Neuanfang. Erste Schritte bin ich schon gegangen und war kurz davor umzudrehen. Wie an diesem Tag im Park. Bin ich aber nicht und  bin dafür belohnt worden. Mit einem der schönsten Geschenke, die mir dieser Park, die Natur und meine Tochter mir machen konnten: Mit meinen wundervollen Lieblingsblumen und der Erkenntnis, dass es sich lohnen kann neue Wege zu gehen, weiterzugehen auch wenn es sich mal falsch anfühlt… um am Ende belohnt zu werden!